Angela Merkel und ihr Pragmatismus

Eine Suche bei Google mit den Schlagwörtern ‚merkel‘ und ‚pragmatisch‘ liefert 1.230.000 Ergebnisse. Im Vergleich dazu liefert die Suche ‚merkel‘ ‚konservative‘ ‚werte‘ nur 364.000 Treffer. Das bedeutet zumindest, dass Frau Merkel weniger mit konservativen Werten als mit Pragmatismus in Verbindung gebracht wird.
Nun bin ich der letzte, der auf Wert auf Konservativismus legt, aber ich hätte zumindest erwartet, dass mehr Artikel diese Eigenschaft bei der Vorsitzenden der konservativen CDU herausstellen. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Im Handelsblatt gibt beispielsweise Friedrich L. Sell ihr die dringende Empfehlung Merkel muss zu konservativen Werten zurückfinden, weil der CDU ein Identitätsverlust drohe. Gut, dagegen hätte ich nichts einzuwenden, aber was sagt das über Merkel aus?

Was ist überhaupt Pragmatismus? Ich schlage mal nicht bei Wikipedia nach, sondern im Gabler Wirtschaftslexikon. Dort steht: „Pragmatismus ist im weiteren Sinne eine weltanschauliche und im engeren Sinne eine erkenntnistheoretische Position, die den Wert von Handlungen oder Erkenntnissen ausschließlich anhand ihres praktischen Nutzens bemisst.“ Und weiter „Im erkenntnistheoretischen Bereich läuft der Pragmatismus auf eine Reduzierung von Wahrheit auf (momentane) Nützlichkeit hinaus.“
„Momentane Nützlichkeit“ bedeutet, dass man schnell zu einem Ergebnis kommt, ohne Berücksichtigung von Grundsätzen, Seiteneffekten und Spätfolgen. Pragmatisch laufe ich mal eben mit den Straßenschuhen ins Schlafzimmer, weil ich dort etwas vergessen habe und versaue dabei den Teppich. Pragmatisch gehe ich ausnahmsweise mal bei Rot über die Ampel, pragmatisch stimme ich mich mit dem französischen Staatschef über die Zukunft Europas ab, ohne die anderen Staate oder den deutschen Bundestag einzubinden, pragmatisch lasse ich über Gesetze abstimmen, von denen ich weiß, dass sie vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben werden, pragmatisch lasse ich Josef Ackermann Gesetze für die Banken machen usw. usw.

Pragmatismus ist immer dann gefragt, wenn die Situation es erfordert, dass man schnell zu einem Ergebnis kommt. Er hat durchaus positive Aspekte, besonders wenn die Zeit drängt und Prinzipienreiterei – das Gegenteil von Pragmatismus – das Handeln (griech. pragmateia = Beschäftigung mit einer Sache) ausbremsen würde, aber er leider führt Pragmatismus oft langfristig im Nachhinein zu mehr Problemen, als man gehabt hätte, hätte man es gleich richtig gemacht. Jeder findet dazu Beispiele im täglichen Leben oder bei der Arbeit und wenn man länger darüber nachdenkt, gelangt man schnell zu dem Punkt: Pragmatismus ist nichts anderes als Schlampigkeit. Statt Probleme systematisch anzugehen und ihre Ursachen zu eliminieren dem Weg des geringsten Widerstands den Vorzug zu geben, ist pragmatisch und schlampig zugleich.

Merkels Pragmatismus hat uns u.a. alternativlose Atomkraftwerke beschert, die dann doch irgendwann pragmatisch abgeschaltet werden mussten, weil Landtagswahlen anstanden. Sie wollte, dass Norbert Röttgen die CDU-Wähler in NRW pragmatisch belügt und ihnen vorgaukelt, dass er auf jeden Fall in NRW bleiben wolle, auch ggf. in der Opposition. Pragmatisch hätte sie ihn dann im Falle des Wahlverlusts nach Berlin zurückbeordert. Norbert Röttgen aber ist ein moralisch konservativer Mensch mit Prinzipien und das brach ihm das Genick.

Pragmatismus zieht sich durch Merkels Leben, soweit es mir bekannt ist. Er scheint ihre einzige Antriebsfeder zu sein. Sie weicht schwierigen Konflikten aus, indem sie sie leidenschaftslos ignoriert. Ihr Verhalten gleicht in vielerlei Hinsicht dem eines Hochstaplers: Wer keine Ahnung von dem hat, was er tut und nur mutig genug ist, es trotzdem zu tun, neigt auch zum Pragmatismus.

Angela Merkel hat nun fast zwei Legislaturperioden hinter sich. Ich finde, dass das reicht. Nun wird es Zeit, dass die Regierung wechselt. Soviel Pragmatismus erlaube ich mir selbst, dass ich sage: Ja, warum nicht RotGrün und warum nicht Steinbrück? Sicherlich nicht mein Dreamteam, aber in beiden Parteien sind – so ist mein Eindruck – viele Personen, die etwas bewegen und Deutschland wieder zu mehr soziale Gerechtigkeit verhelfen wollen. Ich hoffe, dass die Linke im Bundestag vertreten sein wird, um RotGrün hin und wieder anzumahnen. #Merkel muss weg.

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