Das Rentenmärchen

Wegen der drohenden Altersarmut und weil Kompetenzbestie Ursula meinte, sie müsse das Thema auf den Tisch bringen, uneingedenk der Tatsache, dass sie damit ihr Versagen unter Beweis stellt, wird zum Thema Rente momentan viel diskutiert, viel gesagt und viel geschrieben. Vieles von dem was man liest  ist durchaus korrekt, manches ist populistisch, manches absoluter Unsinn. Wir haben uns daher mit dem Thema Rentenberechnung näher befasst und den Versuch angestellt, die wichtigsten Lösungsvorschläge gegen die bestehende Rentenformel zu prüfen. 

Die Rentenformel

Nach folgender Formel wird die Brutto-Rente berechnet:

Rente = Entgeltpunkte * Zugangsfaktor * Aktueller Rentenwert * Rentenartfaktor

Die Faktoren „Rentenartfaktor“ und „Zugangsfaktor“ sind individuelle Bestandteile der Formel. So richtet sich der Zugangsfaktor danach, zu welchem Zeitpunkt ein Versicherter in Rente geht. Zum Renteneintrittsalter ist der Faktor genau 1,0, davor etwas geringe und danach etwas höher. In unseren Überlegungen gehen wir davon aus, dass der Faktor 1 ist, also der Versicherte genau beim Erreichen des Rentenalters in Rente geht. Die unterschiedliche Arten von Renten sind durch den Faktor „Rentenartfaktor“ beschrieben. So ist zum Beispiel Waisenrente 0,5 und normale Altersrente 1,0. Da wir unseren Fokus auf die Rente im Allgemeinen setzen, gehen wir von der normalen Altersrente aus. Für uns sind also nur relevant „Aktueller Rentenwert“ sowie „Entgeltpunkte“.

Aktueller Rentenwert

Der Faktor „Aktueller Rentenwert“ beträgt seit dem 1. Juli 2012 28,07 Euro für Westdeutschland und 24,92 Euro für Ostdeutschland. Er wird in der Mitte eines jeden Jahres anhand einer monströsen Rentenanpassungsformel angepasst und ist von der allgemeinen Lohnentwicklung im Vergleich zu Vorjahren abhängig sowie von den geleisteten Beiträgen zur Rentenversicherung.

Rentenanpassungsformel

Anhand dieser Monsterformel wird in der Mitte eines Jahres der Faktor „Akueller Rentenwert“ angepasst. (Quelle: Wikipeda http://upload.wikimedia.org/math/2/5/a/25a878445556f999bdd8c02fef4f61ca.png)

Darüber hinaus sind in der Formel diverse Bremsklauseln enthalten, die dafür sorgen, dass die Renten nicht übermäßig steigen. Die demographische Entwicklung beispielsweise bestimmt den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor des aktuellen Rentenwertes. Näheres dazu findet man zum Beispiel hier http://www.sovd.de/1321.0.html und hier http://de.wikipedia.org/wiki/Rentenanpassungsformel. Lässt man die Bremsklauseln und anderes Finetuning außer Acht, bleiben als wesentliche Bestandteile der aktuelle Rentenwert des Vorjahres (aRW[t-1]) und die Bruttolöhne (BE[t-x]) der letzten drei Jahre, die die Höhe des Rentenwertes bestimmen, was nicht sonderlich überrascht.

Entgeltpunkt

„Entgeltpunkte“ oder auch „Rentenpunkte“ errechnen sich aus dem Verhältnis des Gehalts eines Versicherten zum Durchschnittsgehalt. Verdient beispielsweise Frau Schmitz in einem Jahr genau so viel, wie das Durchschnittsgehalt in diesem Jahr ist, erhält sie für das betreffende Jahr genau einen Rentenpunkt. Verdient sie weniger, bekommt sie den entsprechenden Teil eines Punktes (z.B. 0,8), verdient sie mehr, ist der Punkt entsprechend höher (z.B. 1,2). Für manche beitragsfreie Zeiten wie Studium, Ausbildung Erziehungszeiten bekommen Versicherte zusätzlich jeweils einen Punkt angerechnet.

Wer mehr verdient, bekommt also automatisch mehr Punkte. Allerdings ist die maximale Anzahl der Punkte begrenzt durch die berühmte Beitragsbemessungsgrenze. Von dem Moment an, an dem Frau Schmitz mit ihrem Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, zahlt sie nicht mehr in die Rentenkasse ein als z.B. Herr Weber, dessen Gehalt genau auf der Beitragsbemessungsgrenze liegt und sie bekommt selbstverständlich den gleichen anteiligen Rentenpunkt wie er und daher hinterher auch nicht einen Cent mehr Rente als Herr Weber.

Forderung der Linke: Weg mit der Beitragsbemessungsgrenze

Wenn man – wie die Linke es vorschlägt – die Beitragsbemessungsgrenze erhöhen oder abschaffen würde, würden Besserverdienende mehr in die Rentenkassen einzahlen, bekämen allerdings dadurch auch im gleichen Zug mehr Rentenpunkte und hätten somit einen höheren Rentenanspruch als bisher. Da der Durchschnittslohn durch die Reichen sich nicht ändert, sie aber mehr Rentenpunkte bekommen, gehen den mittleren bis unteren Lohngruppen Rentenpunkte verloren. Am stärksten trifft es dabei dummerweise die unteren Lohngruppen. Die Anhebung würde gleichzeitig auch den Faktor „Aktueller Rentenwert“ erhöhen, was wiederum durch die ungünstige Verteilung der Rentenpunkte insbesondere den Besserverdienenden zugute käme.

Forderung der SPD: Flächendeckende Einführung von Mindestlöhnen

Ein Vorschlag von der SPD ist, durch die flächendeckende Einführung von Mindestlöhnen dafür zu sorgen, dass niemand mehr so wenig verdient, dass er im Alter durch Niedrigrenten von Armut bedroht ist. Kann das objektiv betrachtet funktionieren? Wenn die unteren Lohngruppen mehr verdienen, steigt nämlich der Durchschnittslohn und damit verlieren alle Versicherten zu gleichen Teilen automatisch Rentenpunkte an die unteren Lohngruppen, was diejenigen am härtesten trifft, die ein niedriges Gehalt oberhalb des Mindestlohns haben. Das wäre keine sozial gerechte Umverteilung, sondern eine ungerecht verteilte Last, die am stärksten von denen getragen wird, sie sich nicht wehren können.

Fazit

Das bisherige Herumdoktern am Rentensystem hat den Versicherten keine nachhaltige Besserung gebracht. Die Lebensarbeitszeit wurde erhöht und der Rentenwert wurde gesenkt. Eine Einführung von Mindestlöhnen brächte zwar mehr Geld in die Kassen, aber das Problem der Altersarmut würde sich dadurch in den unteren Lohngruppen verschärfen. Eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze hätte einen ähnlichen Effekt und käme in einem noch höheren Maße den Reichen zugute.

Was wirklich helfen würde, wäre die Einführung einer steuerfinanzierten Basisrente, wie sie die Niederlande beispielsweise haben. Die gesetzliche Rentenversicherung wäre dann  von den Beiträgen und in der Leistung weniger umfangreich und nur noch „On Top“. Wie eine solche Basisrente funktionieren könnte und wie sie finanzierbar wäre, gehört in einen anderen Artikel.

Anmerkung:
Der Artikel soll nur verdeutlichen, dass das Rufen markiger Forderungen das Problem der Altersarmut nicht löst. Er stellt keinen Anspruch auf Korrektheit. Die Erkenntnisse gewannen wir durch einfache Berechnungen in Excel mit Hilfe der Rentenformel. Einen Fehler können wir nicht ausschließen. Wir sind aber davon überzeugt, dass wir richtig liegen.

Quellen:
http://www.cecu.de/rentenberechnung.html
http://www.brutto-netto-rechner.info/rentenpunkte.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Rentenanpassungsformel
http://www.sovd.de/1321.0.html

Advertisements

Über deppentoeter

Politisch, kritisch, satirisch, einfach nett ;-) Meist bin ich bei Twitter und zwar hier: https://twitter.com/deppentoeter
Dieser Beitrag wurde unter Rente abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s